

Interview mit Bürgermeister Ernest Kupfer zum AmtsantrittSie sind seit 10 Jahren im Gemeinderat der Marktgemeinde Gratkorn. Warum und wie sind Sie in die Politik gekommen?Zuerst einmal, weil mich politische Aktivitäten und Diskussionen von Kindheit an begleitet haben. Bereits mein Großvater war Bürgermeister von Wald am Schoberpaß und danach von Judendorf-Straßengel. Auch mein Schwiegervater hatte das Bürgermeisteramt von Gratwein inne. Für mich persönlich war es immer wichtig, aktiv mitzugestalten und helfen zu können, anstatt über die Politik und ihre Vertreter zu nörgeln. Hervorheben möchte ich auch die Nähe zu Menschen, die nicht nur speziell in der Gemeindepolitik zu finden ist, sondern dort eine Voraussetzung ist. Welche persönlichen Voraussetzungen muss – Ihrer Meinung nach – ein Bürgermeister unbedingt mitbringen?Ein dickes Fell muss er haben. …. Nein, Spaß beiseite, er muss ein guter Zuhörer sein, muss ehrlich und geradlinig sein, aber auch bürgernah, offen sowie durchsetzungsfähig. Daneben muss ein Bürgermeister die unterschiedlichen Auffassungen zusammenführen können und zwar im Sinne einer konstruktiven Problemlösung und nicht in Form eines faulen Kompromisses. Mit der Wahl zum Bürgermeister am 4. Februar hat sich in Ihrem Leben doch einiges verändert. Ist Ihnen die Entscheidung, dieses Amt anzutreten, eigentlich leicht gefallen?Nein, es ist mir nicht leicht gefallen. Ich habe zu Elmar Fandl mehrmals gesagt: „Ich würde gerne Bürgermeister von Gratkorn werden, aber ich würde nur sehr ungern dein Nachfolger werden wollen“. Bei der Entscheidung gab es natürlich zahlreiche Faktoren und Abwägungen zu treffen, schließlich ist dieses Amt ein sehr arbeitsintensives. Letztendlich war es aber eine Herzensentscheidung. Es ist die Freude am Umgang mit den Menschen, die mich bestärkt hat, dieses Amt zu übernehmen. Und natürlich ist es auch ein schönes Gefühl, die Möglichkeit zu haben, seine Heimatgemeinde mitzugestalten. Wie sieht seither Ihr Tagesablauf aus?Es hat sich doch einiges gravierend verändert – einzig die Einstellung des Weckers ist gleich geblieben, der scheppert jeden Tag unermüdlich um 05.15 Uhr.Der Tagesablauf selbst verläuft zur Zeit noch etwas chaotisch – sprich anlassbezogen - und ist noch zu ordnen. Am Abend wird es vielfach später als bisher. Freitags und samstags gibt’s meistens geplante Termine. Der Sonntag ist jedoch mit wenigen Ausnahmen ein Familientag. Sie sind nicht nur Bürgermeister, sondern auch Betriebsrat in der Firma Sappi – wie lässt sich dies vereinbaren?Als Betriebsrat der Fa. Sappi hatte ich bisher mehr als 20 Jahre Zeit, eine sehr gute Vertrauens- und Gesprächsbasis zu meinen Kolleginnen und Kollegen aufzubauen. Ich bin überzeugt, sie würden es mich wissen lassen – schon bevor etwas schief läuft. In ersten Gesprächen mit dem Bereichsverantwortlichen, der Logistik, dem Betriebsratsvorsitzenden und der Firmenleitung gibt es auch positive Signale dahingehend, eine für beide Seiten vertretbare Lösung zu finden. Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit der Verwaltung, den anderen Parteien im Gemeinderat und den örtlichen Vereinen vor?Ich wäre falsch beraten, da etwas verändern zu wollen: Ich kann mich auf ein hervorragendes, fachlich versiertes Verwaltungsteam verlassen. Auch die Gespräche mit den anderen Parteien im Gemeinderat sind sehr konstruktiv verlaufen. Im Übrigen habe ich auch hinsichtlich unserer zahlreichen und sehr aktiven örtlichen Vereine ein sehr gutes Gefühl, dass die Zusammenarbeit und Unterstützung weiterhin so positiv verläuft. Welche Aufgaben sehen Sie in der kommenden Zeit auf Sie zukommen?In den nächsten Wochen werde ich auf jeden Fall damit beschäftigt sein, mit den örtlichen Vereinen, Gewerbetreibenden und auch den Gratkornerinnen und Gratkornern Gespräche zu führen. Wo sehen Sie in Zukunft am meisten Handlungsbedarf?Für unsere Kinder und Jugend wurden die Betreuungseinrichtungen in den vergangenen Jahren weiter ausgebaut. Einen Handlungsbedarf sehe ich aber auch noch bei den Betreuungsangeboten für unsere ältere Generation. Ich denke dabei beispielsweise an die Verstärkung der mobilen Dienste oder an eine Einführung des betreuten Wohnens. Unser Ziel ist es, den Gratkornerinnen und Gratkornern nicht nur ein Altern in Würde zu ermöglichen, sondern auch ein selbständiges Leben in ihrer gewohnten Umgebung zu sichern, ohne auf Sicherheit und Gemeinschaft verzichten zu müssen. |
Video-Interview mit Bgm. Ernest Kupfer [März 2009 - Flash] |